Esel Initiative

Problemstellung

Viele körperbehinderte Menschen in den Dörfern Eritreas ohne direkten Wasseranschluss sind stark auf Hilfe angewiesen. Wasser muss oft von weit entfernten Stellen geholt werden – eine Aufgabe, die meist die Kinder übernehmen. Dadurch können diese Kinder häufig nicht zur Schule gehen. Gleichzeitig ist es für die Betroffenen aufgrund ihrer körperlichen Einschränkung extrem schwierig, Handel zu betreiben: Sie haben keine Möglichkeit, ihre Produkte oder Waren zum Markt zu transportieren. Die Abhängigkeit von anderen und die fehlende Mobilität schränken ihr Leben massiv ein und verhindern Selbstständigkeit.

Lösung

Seit mehr als acht Jahren unterstützt der Eritreische Verein für Körperbehinderte in Stuttgart e.V. die Esel-Initiative des Partnervereins ENWDVA. Ziel ist es, den körperbehinderten Menschen einen verlässlichen Helfer zur Seite zu stellen: einen Esel.

Der Partnerverein ENWDVA entscheidet in enger Abstimmung mit der Dorfbevölkerung, wer einen Esel erhält. Neben dem Tier bekommt der Empfänger auch einen stabilen Karren mit integriertem großem Wasserkanister. Damit können die Menschen das Wasser selbst holen – sie sind nicht mehr auf ihre Kinder oder Nachbarn angewiesen. Die Kinder können nun regelmäßig die Schule besuchen.

Der transportierte Wasservorrat reicht meist weit über den eigenen Bedarf hinaus. Der Überschuss wird im Dorf verkauft und bringt erste Einnahmen. Viele beginnen damit, aber schnell eröffnen sich weitere Möglichkeiten: Mit den Erlösen kaufen sie Saatgut, pflanzen eigenes Gemüse an und transportieren es mit dem Esel zum nächsten Markt zum Verkauf. So entsteht ein Kreislauf der Selbstständigkeit.

Die Vergabe erfolgt über einen zinsfreien Kredit. Da ausschließlich weibliche Esel vergeben werden, gibt es zwei flexible Rückzahlungsoptionen: Der Betrag kann zinsfrei zurückgezahlt werden – oder das Eselfohlen wird nach der Geburt an den Verein gegeben, um einen neuen Esel für einen anderen Menschen zu finanzieren.

Benefiz für die Körperbehinderten

Der Esel nimmt den Menschen schwere Lasten ab, macht sie deutlich mobiler und eröffnet echte neue Einkommensmöglichkeiten:

  • Sie holen Wasser selbst und entlasten ihre Kinder – die können wieder zur Schule gehen.
  • Durch den Verkauf von Wasser und später von Gemüse oder anderen Produkten entsteht ein eigenes Einkommen.
  • Die finanzielle Unabhängigkeit führt schnell zu mehr Selbstvertrauen und Mut: Viele trauen sich plötzlich an Projekte heran, die sie vorher für unmöglich hielten.
  • Das Zuhause kann verbessert werden, die Lebensqualität steigt spürbar.
  • Die Menschen fühlen sich nicht mehr abhängig und ausgeschlossen – sie werden aktiver Teil ihrer Gemeinschaft.

Das Projekt ist ein einfaches, aber sehr wirkungsvolles Beispiel für Hilfe zur Selbsthilfe: Ein Esel verändert nicht nur den Alltag, sondern gibt den Menschen ein Stück Würde, Freiheit und Zukunft zurück.