Fitness- und Rehazentrum

Problemstellung

Die Kriege in Eritrea – der 30-jährige Unabhängigkeitskrieg (1961–1991) und der Grenzkrieg 1998–2000 – haben das Land nicht nur wirtschaftlich schwer belastet, sondern vor allem tiefe Spuren in der Gesundheit und im Leben der Bevölkerung hinterlassen.

Über 20.000 Menschen, Männer und Frauen, jung und alt, leben seitdem mit körperlichen Behinderungen. In der Hauptstadt Asmara gibt es das Denden Zentrum für Körperbehinderte, das etwa 350 schwer behinderten Menschen Platz bietet. Doch es fehlt dort an einer angemessen ausgestatteten Abteilung für Physiotherapie, Ergotherapie oder psychologische Unterstützung, um körperliche und seelische Leiden zu lindern.

Viele Bewohner fühlen sich durch ihre Behinderung vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Der Alltag im Zentrum ist geprägt von Monotonie: Manche spielen Karten, andere greifen zu Alkohol oder Zigaretten, oder sie sitzen einfach resigniert herum. Es gibt keine Angebote für Psychotherapie, Beschäftigungstherapie oder Fitnessgeräte zur Förderung von Bewegung und Gesundheit. Fehlende Aktivität, Langeweile, Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit bestimmen den Alltag. Therapien außerhalb des Zentrums sind für die Bewohner, die fast kein eigenes Geld haben, unerschwinglich.

Lösung

Um diese Situation zu verbessern, entstand die Idee, ein eigenes Physiotherapie- und Fitnesszentrum im Denden Zentrum einzurichten. Da dies ohne externe Finanzierung nicht möglich war, stellte der Eritreische Verein für Körperbehinderte in Stuttgart e.V. einen offiziellen Projektantrag bei der W.P. Schmitz-Stiftung in Düsseldorf. Die Stiftung genehmigte den Antrag und übernahm großzügig 75 % der Kosten.

Nach Überwindung der finanziellen Hürde begann die konkrete Planung: Gemeinsam mit dem Partnerverein vor Ort und den betroffenen Menschen wurde festgelegt, welche Geräte benötigt werden. Aufgrund der unzuverlässigen Stromversorgung in Eritrea fiel die Wahl auf stromunabhängige, gebrauchte, aber behindertengerechte Fitnessgeräte. Über Physiobuy in Steinfurt konnten passende Geräte beschafft und per Schiff nach Eritrea transportiert werden.

Vor Ort stellte der eritreische Partner ein Gebäude zur Verfügung. Es folgten Renovierungsarbeiten und bauliche Anpassungen (z. B. barrierefreier Eingang). Nach erfolgreicher Sanierung wurden die Geräte installiert. Am 18. April 2018 wurde das Fitness- und Rehazentrum offiziell eröffnet – unter Anwesenheit der damaligen Gesundheitsministerin Frau Amna Nurhussein und der Sozialministerin Frau Luul Ghebreab.

Seitdem können die Bewohner sieben Tage die Woche trainieren. Ein ausgebildeter Physiotherapeut ist fünf Tage pro Woche vormittags und nachmittags vor Ort und erstellt individuelle Trainingspläne, führt manuelle Therapien durch und sorgt für eine sichere, angepasste Nutzung der Geräte – besonders wichtig, da viele zuvor kaum Erfahrung mit Fitness hatten.

Geplante und umgesetzte Angebote umfassen:

  • Individuelle Trainingsplanerstellung
  • Manuelle Therapie
  • Krankengymnastik
  • Gerätegestützte Bewegungstherapie
  • Allgemeines Fitnesstraining
  • Bewegungstherapie
  • Beratung

Das Zentrum liegt in einer ehemaligen US-Kaserne, wo auch eine kleine Klinik für Behinderte angesiedelt ist (betreut von Arzt, Physiotherapeut und Pflegekräften). Die Klinikleitung hat die Verwaltung und Betreuung übernommen – die Zusammenarbeit läuft seit Jahren sehr positiv. Nach einem Jahr Betrieb übernehmen Partnerorganisation und unser Verein gemeinsam die laufenden Kosten.

Benefiz für die Körperbehinderten

Durch das Fitness- und Rehazentrum erhalten die betroffenen Menschen unter fachlicher Anleitung echte Chancen auf körperliche und seelische Besserung:

  • Sie gewinnen wieder Vertrauen in ihre eigenen Kräfte und Fähigkeiten.
  • Durch gezieltes Muskeltraining verbessern sie Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit – manche können dadurch sogar wieder in den Arbeitsprozess einsteigen.
  • Körperliche Aktivität und neue positive Körpererfahrungen bringen Eigeninitiative, Aktivität und Lebensfreude zurück.
  • Der triste Klinikalltag und posttraumatische Kriegserinnerungen treten in den Hintergrund – es entsteht Ablenkung und Erleichterung.
  • Viele schöpfen neuen Mut und Hoffnung, dass das Leben doch noch Perspektiven bietet.
  • Die Beschäftigung mit den Geräten lenkt von Alkohol-, Nikotin- oder Spielsucht ab und hilft manchen, davon loszukommen.
  • Kleine und größere Erfolgserlebnisse geben Ziele und Motivation, das Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und produktiv zu werden.

Das Zentrum ist ein nachhaltiger Beitrag zur Hilfe zur Selbsthilfe – es verbindet finanzielle Unterstützung aus Deutschland mit lokaler Umsetzung und schafft seit 2018 spürbare Verbesserungen im Leben der Menschen im Denden Zentrum.