Honig für Eritrea

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Problemstellung

Viele körperbehinderte Menschen in Eritrea haben nur sehr geringe Chancen, eine Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Sie sind dadurch oft vollständig auf die Unterstützung ihrer Familie oder des Staates angewiesen – obwohl sie körperlich und geistig durchaus in der Lage wären, selbstständig zu arbeiten und zum Lebensunterhalt beizutragen. Diese Abhängigkeit führt häufig zu Frustration, geringem Selbstwertgefühl und sozialer Isolation.

Lösung

Der Eritreische Verein für Körperbehinderte in Stuttgart e.V. hat gezielt nach nachhaltigen Wegen gesucht, um diese Menschen in die Arbeitswelt zu integrieren. Eine der erfolgreichsten Initiativen ist der Aufbau von Imkereien in Eritrea.

Seit 2008 werden mit den Erlösen aus dem Fahrradprojekt Imker ausgebildet und mit Material ausgestattet. Der Partnerverein vor Ort hat zunächst geeignete Regionen für die Bienenzucht ausgewählt und die körperbehinderten Menschen in diesen Gebieten aktiv auf das Projekt aufmerksam gemacht. Jeder Interessierte konnte sich bewerben.

Bei erfolgreicher Bewerbung durchlaufen die Teilnehmer eine intensive Schulung zur Imkerei – durchgeführt von Experten des Ministeriums für Landwirtschaft. Die Ausbildung kombiniert theoretischen Unterricht mit sehr viel praktischer Arbeit vor Ort.

Nach Abschluss der Schulung erhalten die Teilnehmer alle notwendigen Gerätschaften und Materialien: Bienenkästen, Schutzkleidung, Waben, Honigschleuder und weiteres Equipment. Der Aufbau ihres eigenen Imkerbetriebs wird durch einen zinsfreien Kredit ermöglicht, der später aus den Honigerlösen zurückgezahlt wird. Zusätzlich haben die Projektteilnehmer einen eigenen Imkerverein gegründet, um Erfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsame Interessen zu vertreten.

Benefiz für die Körperbehinderten

Das Imkerprojekt ermöglicht den körperbehinderten Menschen in Eritrea ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben:

  • Sie können durch eigene Arbeit Einkommen erzielen und sind nicht mehr auf andere angewiesen.
  • Besonders Frauen profitieren, da die Imkerei eine überschaubare körperliche Belastung darstellt und gut mit Familie und Haushalt vereinbar ist.
  • Die Teilnehmer gewinnen Selbstvertrauen, Stolz und ein Gefühl von Sinn und Produktivität.
  • Durch den Verkauf des Honigs werden die Kredite schnell zurückgezahlt – die freiwerdenden Mittel fließen in neue Kredite für weitere Interessierte und schaffen so einen nachhaltigen Kreislauf.
  • Das Projekt hat zudem einen positiven Einfluss auf die Umwelt: Mehr Bienenvölker fördern die Bestäubung und tragen zur Stärkung von Forst- und Landwirtschaft in Eritrea bei.

Viele Teilnehmer berichten, dass sie durch die Imkerei nicht nur finanziell, sondern auch emotional wieder auf eigenen Beinen stehen – ein echtes Beispiel für nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe, die seit über 15 Jahren wirkt und sich selbst trägt.